Man müsste mal…

Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen bzw. können keine digitalisierten Lösungen, in Form von komplexen Apps, anbieten. Sie sollten aber die Möglichkeiten digitaler Angebote konsequent nutzen.

„Wir müssten uns mal mit dem Thema Digitalisierung auseinander setzen…
… aber gerade laufen die Geschäfte gut.
… aber unsere Wertschöpfungskette läuft seit Jahren solide.
… machen wir wenn es ruhiger wird.“

Das sind die Argumente warum die Digitalisierung für viele kleine und mittlere Unternehmen soweit weg ist. Dennoch stellen sich Fragen: Laufen die Geschäfte wirklich gut? Wird das Produkt in Zukunft noch benötigt?

Ein PKW-Verbrennungsmotor besteht aus 1.400 Teilen, der Elektroantrieb für PKWs aus nur 210 Teilen. Für viele Unternehmen stellt sich somit die Frage, wird mein Produkt in Zukunft überhaupt noch benötigt? Wie abhängig bin ich als Unternehmer von äußeren Veränderungsprozessen? Diese strategische Antwort muss sich der Unternehmer heute erarbeiten. Dabei sollte er alle Unternehmensprozesse dokumentieren, untersuchen und an die zukünftigen Anforderungen anpassen.

Genau an dieser Stelle bieten digitale Lösungen gerade den kleinen und mittleren Unternehmen auf sie maßgeschneiderte Lösungen an. Wer sich als Unternehmer mit dem Thema Digitalisierung auseinander setzt, erhält einen digitalen Maßanzug der sich an die Bedürfnisse der Kunden und des Unternehmens anpasst. Mit bereits vorhandenen, einfachen und preiswerten Softwarelösungen, die im Unternehmen oder am Markt verfügbar sind, erhält der Unternehmer auf seinen Smart-Phone (Mobile-Device) beispielsweise Auskunft über seine aktuelle Auftragslage, den Stand von Aufträgen und Projekten sowie Informationen über Lieferungen oder die Zahlungen der Kunden.

In vielen Bereichen wird über Fachkräftemangel geklagt, mit dem Angebot einer zeitgerechten, digitalen Infrastruktur wird das Unternehmen für junge, motivierte Mitarbeiter und Azubis attraktiv. Die heranwachsende Mitarbeitergeneration erwartet eine digitale Kommunikation über „digitale Postwege“, sogenannten Messenger-Diensten. Diese bieten dem Unternehmer zusätzliche Vorteile, zum Beispiel: Der Unternehmer koordiniert seine Mitarbeiter mit Hilfe eines Messenger. Die Leistungserbringung beim Kunden wird nicht durch Anrufe gestört. Andersherum kann der Mitarbeiter seinen Meister auf einer anderen Baustelle, „leise“ um Tipps bitten, ohne das der Kunde von möglichen Komplikationen erfährt. Zusätzlich erwacht bei dem Kunde der  Eindruck hoher Fachkompetenz, da eben beispielsweise nicht hektisch telefoniert wird.

Mit Hilfe vernetzter, digitaler Lösungen kann der Unternehmer direkten Einfluss auf seinen unternehmerischen Erfolg nehmen. Durch vernetzte Dienstleistungen von, zum Beispiel, Maschinenanbietern kann der Unternehmer auf die Investition von Spezialmaschinen verzichten und diese bei Bedarf mieten, sogenannten pay-by-use-Angeboten. Anschaffungskosten (im Sinne von § 255 HGB) entfallen. Dies bedeutet auch Entfall der Kapitalbindung für Investitionsgüter oder Maschinen. Der Aufwand für die Maschinenmiete fließt direkt als Kosten in die Kalkulation ein. Ein weiterer positiver Nebeneffekt solcher Angebote ist, dass die Kosten für Wartung und Lagerung entfallen. Möglicherweise kann so die betriebliche Lagerfläche reduziert oder bei zukünftige Fahrzeug-Neubeschaffungen kleinere Fahrzeugmodell ausgewählt werden. Dies würde weiter die betrieblichen Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Entscheidend ist jedoch, dass der Unternehmer sich die Zeit nimmt und sich Berater zur Hilfe holt um die digitale Transformation gewinnbringend zu gestalten. Die Möglichkeiten der digitalen Transformation sind unbegrenzt und setzen der Fantasie keine Grenzen. Abschließend ist zu erwähnen, dass die Anforderungen der GoBDs (2) die Auseinandersetzung mit digitalen Strukturen im Unternehmen zwingend erfordern.

Das Land NRW und der Bund bieten zum Thema digitale Transformation und Digitalisierung umfangreiche Förderprogramme für Beratung und Innovation an.

Fußnoten des Autors:
1. http://www.umweltbrief.org/neu/html/Elektroautos_Autoindustrie.html
2. „Grund­sät­ze zur ord­nungs­mä­ßi­gen Füh­rung und Auf­be­wah­rung von Bü­chern, Auf­zeich­nun­gen und Un­ter­la­gen in elek­tro­ni­scher Form so­wie zum Da­ten­zu­griff“

Über den Autor

Roland Voß
Roland Voß

„Roland Voß berät als freiberuflicher Berater (KMU Beratung Voß) vorwiegend Unternehmen kleinerer und mittlerer Größe. Neben der betriebswirtschaftlichen Beratung für Gründer und Bestandsunternehmen hat sich Herr Voß auf die Thematik der Digitalisierung spezialisiert. Herr Voß ist Geprüfter Technischer Betriebswirt, er bringt über 20 Jahre Erfahrung aus digitalisierter Produktion mit und war an deren Entwicklung beteiligt.“

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