Digital Talk #1

Wie die digitale Revolution die Wirtschaft verändert

Der erste Digital Talk mit Richard Gutjahr, René Obermann und Ibrahim Evsan

Als „Zeitreisende aus der Zukunft“ stellte Moderator Richard Gutjahr die prominenten Gäste beim ersten „Digital Talk“ am 8. Mai 2015 in der IHK Köln vor. Die interaktive Talkshow ist Teil der Initiative „Digital Cologne“. Mit Ex-Telekom-Chef René Obermann und „Social Trademarks“-Gründer Ibrahim Evsan begrüßte der bekannte Blogger zwei digitale Vordenker auf der Bühne.

„Jedes Unternehmen soll sich einmal fragen, was Digitalisierung für die Branche, für die eigenen Geschäftsprozesse und für das eigene Geschäftsmodell bedeutet“, brachte IHK Hauptgeschäftsführer Ulf C. Reichardt das Ziel der Veranstaltung auf den Punkt.

 

Diskutierten beim ersten „Digital Talk“ die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Wirtschaft: Richard Gutjahr, René Obermann und Ibrahim Evsan (v.l.n.r.) | © www.nickel-photography.com

Rund 80 geladene Gäste aus der regionalen Unternehmens- und Gründerszene beteiligten sich in lockerer Atmosphäre an der Diskussion. Ebenso wie zahlreiche User im Netz, die den Auftritt per Live-Stream verfolgten und ihre Fragen via Twitter stellten. Die interessante Diskussion stieß auf großes Interesse, zeitweise war der Hashtag #digitalk auf Platz 1 der bundesweiten Trendthemen bei Twitter.

Mit seinem Fachwissen als früherer Chef der Deutschen Telekom und seinem besonderen Gespür für zukünftige Wachstumsmärkte in der Medien- und Technologiebranche bereicherte René Obermann die angeregte Diskussion am Nachmittag. Ibrahim „Ibo“ Evsan beleuchtete anschaulich vor allem die sozialen Dimensionen des Internets und der Digitalisierung.

Hier noch einmal die Diskussionsfelder im Überblick:

„Ich twittere, also bin ich?“ – Die Talkgäste und ihr Weg in die digitale Welt

„Was die Digitalisierung betrifft“, so Evsan, „sind wir gerade erst am Flughafen angekommen und haben nicht einmal eingecheckt.“ Diese Meinung teilt auch der Telekommunikationsexperte Obermann: „Wir fangen gerade erst an, das mobile Internet zu entdecken. Und können kaum erahnen, welche Möglichkeiten uns die neue Technologie-Generation ab 2020 bringen wird. „Jetzt geht es darum, dass die Gesellschaft aufwacht. 40 Prozent der Unternehmen aus der Region hier haben keine Webseite. Da haben wir noch ganz viel aufzuholen“, bringt Evsan das Dilemma vieler Unternehmen auf den Punkt.

Die großen Vordenker und Manager haben seiner Meinung nach eine gesellschaftliche Verantwortung, sich auch im Netz zu zeigen. Noch überlassen sie in Deutschland das Internet überwiegend den jungen Menschen. Diese positionieren sich jetzt bereits als Experten, und werden bei Google & Co. als solche dann auch gefunden. Das möchte Evsan mit seiner Firma ändern. Beispiele aus den USA zeigen, dass man heute als Manager Social Media effektiv für sich nutzen kann.

Etablierte Modelle sind Feinde des Neuen – Veränderungsbereitschaft und was in Deutschland anders ist

„Die Arbeitswelt wird sich verändern, und zwar ganz drastisch. Wir müssen lernen, mit digitalen Medien noch besser umzugehen und sie in den Arbeitsplatz zu integrieren“, so Obermann. Unternehmen müssten die strukturellen Voraussetzungen schaffen, um etablierte Geschäftsmodelle immer wieder hinterfragen zu können. Augenzwinkernd bemerkte Obermann, dass man quasi ein „paranoides Management“ benötige, das den „Hunger nach der Kannibalisierung des eigenen Modells“ zeigt – gegen alle Widerstände.

Unternehmen benötigen zudem eine Strategie, wenn sie das Thema Digitalisierung in Angriff nehmen. Ganz allgemein könnte ein grober Fahrplan so aussehen:

  • Webpräsenz aufbauen und an mobile Endgeräte anpassen
  • Kunden besser informieren und den Service-Gedanken im Web ausbauen (z. B. Live-Chat)
  • Interaktion mit dem Kunden intensivieren (z. B. über Social Media)
  • Arbeitsprozesse effizienter gestalten (IT-Lösungen)

Vielen Unternehmen bereitet das Thema IT-Sicherheit Kopfschmerzen. Mitarbeiter müssen zunehmend für das Thema sensibilisiert werden. „Vielfach ist der Mensch die Schwachstelle. Passwörter, die direkt am Computer liegen oder fehlende Berechtigungskonzepte machen es Angreifern leicht“, so Obermann. Darüber hinaus sei die Scham, Cyber-Attacken auch zu kommunizieren, noch zu groß. Nur durch Aufklärung und eine offene Kommunikation könne man dazulernen.

Aktuelle „Trends“ und wie können wir uns vorbereiten? – Aufgaben für eine digitale Zukunft

Zudem fehle es auf dem Arbeitsmarkt an Fachkräften und Experten. „Man hat Schwierigkeiten, hervorragende Programmierer zu finden“ erklärt Evsan. Hier fordert Obermann auch ein gesellschaftliches Umdenken, angefangen bei der schulischen Ausbildung. Außerdem müssten beim Thema Datenschutz Standards geschaffen werden, damit sich für deutsche Unternehmen keine Standortnachteile ergeben.

„Maximale Innovationswut“ nennt Ibrahim Evsan den Weg, den einige Menschen bereits eingeschlagen haben. Und der am Ende zu neuen Technologien führen wird, die heute noch wie eine Parallelwelt bzw. Science Fiction erscheinen. Das sind einige aktuelle Trends:

  • Roboter, die Menschen in ihrem Alltag und bei der Arbeit unterstützen
  • „Big Data“-Lösungen, in denen alles berechnet und kategorisiert wird
  • Entertainment durch Virtual Reality (z. B. Brillen, die andere Welten suggerieren)
  • Computer, die Emotionen erkennen und spiegeln können

Auch die anschließende Fragerunde mit den Zuschauern brachte weitere spannende Aspekte in die Diskussion:

Fazit: Innovatives Denken lässt sich nicht aufhalten. Wie weit die Digitalisierung und technische Entwicklungen den Menschen letzten Endes bringen werden, diese Frage von Richard Gutjahr konnten auch die zwei Zeitreisenden beim „Digitalk“ nicht beantworten. Was Unternehmen jetzt ändern können, allerdings schon.

Sehen Sie den Livestream hier noch einmal in voller Länge:

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